Fair Pay & Lohntransparenz im Architekturbüro

Insights von HZDS AG - Architektur für die Arbeitswelt in Zürich

Viele Unternehmen scheuen sich davor, ihren Mitarbeitenden die volle Lohntransparenz zu gewähren. Zu Unrecht, findet David Sigrist, Inhaber des Architekturbüros HZDS in Zürich. Er hat bereits bei der Firmengründung vor 20 Jahren alle Löhne und das Lohnmodell offengelegt – inklusive seinem eigenen Gehalt. Und ist damit sehr gut gefahren. Warum Transparenz zu Mit-Unternehmerschaft aller Teammitglieder führt, und die unternehmerische Haltung aller Mitarbeitenden fördert, erklärt er in diesem impulsstarken Interview.

 

Lohngerechtigkeit ist ein komplexes Thema. Das hat gleich mehrere Gründe: Nicht alle Menschen haben dasselbe Gerechtigkeitsempfinden. Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde es (übrigens von beiden Geschlechtern) als gerecht empfunden, dass Männer mehr verdienen als Frauen. Heute kommen neue Fragen hinzu: Ist es gerecht, dass ältere Mitarbeitende mehr verdienen als jüngere? Und wenn ja, wie gross darf der Unterschied sein? Oder soll allein auf die Leistung abgestellt werden? Auf solche Fragen muss das Lohnsystem Antworten liefern. Ziel ist es, den Gerechtigkeitsbegriff zu konkretisieren. In der Regel wird erwartet, dass Schwierigkeitsgrad der Aufgaben, individueller Leistungsbeitrag und eingebrachte Erfahrung ausschlaggebend sind für die Höhe des Lohnes.

 

Heute fordern Mitarbeitende vermehrt, am Erfolg des Unternehmens beteiligt zu werden, im Wissen darum, dass damit auch ein finanzielles Risiko verbunden ist. Der Vergleich der Löhne mit jenen der Kolleginnen und Kollegen muss einmal mehr plausibel sein, ebenso der Vergleich zum Mitbewerb. Stichwort: konkurrenzfähige Gehälter.

 

Dennoch ist es nach wie vor äusserst selten, dass die Mitarbeitenden die volle Transparenz über die internen Löhne geniessen. Viele Unternehmen verwehren ihren Mitarbeitenden den direkten Lohnvergleich, indem sie den Persönlichkeits- und Datenschutz vorschieben. Dabei wissen wir, dass sich die meisten Mitarbeitenden früher oder später untereinander über ihre Löhne austauschen. Und so erstaunt es nicht, dass die Unzufriedenheit aufgrund empfundener Ungleichbehandlung gross sein kann. Der Grund dafür liegt meist in den fehlenden Informationen, welche nur dem Unternehmen vorliegen. Kaum ein Mitarbeiter kann die Kriterien für die Lohnhöhe anderer eindeutig zuordnen, um sich selbst damit zu vergleichen. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit geschuldet ist (Lohngleichheit) und kontrolliert die Unternehmen mit mindestens 100 Mitarbeitenden seit 2020 im Rahmen einer jährlichen Lohnüberprüfung. Um so erstaunlicher scheint es, dass den Mitarbeitenden selbst in der Regel keine Transparenz im eigenen Unternehmen gewährt wird.

Ist Lohntransparenz der Schlüssel zum Erfolg?

Das wollte unsere Autorin Susanne Mosbacher von einem befreundeten Unternehmer wissen. David Sigrist ist Inhaber von HZDS Architekten in Zürich und schon sehr lange davon überzeugt, dass die transparente Lohnverhandlung mit potenziellen Mitarbeitenden aber auch mit der ganzen Belegschaft sinnvoll und zielführend ist – insbesondere dann, wenn das Unternehmen sich echte «Mit-Unternehmer: innen» wünscht.

 

David Sigrist geht diesbezüglich sogar noch einen Schritt weiter als zum Beispiel die bereits sehr transparente Organisation Greenpeace Schweiz, welche das Lohnband einer offenen Stelle schon bei der Stellenausschreibung publiziert (Link zum Artikel). Er präsentiert den Lohn zwar nicht im Inserat. Aber bereits im zweiten persönlichen Gespräch mit Kandidaten wird die interne Lohnliste offengelegt. Hier finden sich nebst dem effektiven Lohn auch Informationen zu absolvierten Aus- und Weiterbildungen sowie relevanter Berufserfahrung aller Mitarbeitenden. Aufgrund dieser Liste wird dann mit dem Bewerber gemeinsam dessen Einstiegslohn festgelegt.

Im Interview mit David Sigrist erfuhr unsere Autorin zudem, dass HZDS Architekten bereits seit der Gründung im Jahr 2002 die Löhne und das Lohnmodell offenlegt und bisher noch keine negativen Erfahrungen damit gemacht haben. Alle wissen untereinander jederzeit wer wieviel verdient und warum. Selbst sein eigener Lohn ist allen Mitarbeitenden bekannt.

 

Wir sind begeistert, denn das ist tatsächlich eher ungewöhnlich, und wollten natürlich gerne wissen, welche Erfahrungen David Sigrist und sein Team mit der internen Lohntransparenz gemacht hat:

«Lohntransparenz ermöglicht eine unternehmerische Haltung des gesamten Teams»

actively: 

Lieber David, wie sieht euer Lohnmodell konkret aus?

David Sigrist: Die Lohnstruktur bei HZDS orientiert sich am Markt – aber auch an der öffentlichen Hand. Denn hier herrschen klare Vorstellungen dazu, welche Funktionen wie hoch entschädigt werden können. Wir haben einen prozentualen Bonus zum Jahreslohn einkalkuliert, der nach Bedienung des Eigenkapitals (Dividenden) auch bei einer schwarzen Null ausbezahlt wird. Wer das Unternehmen unterjährig verlässt, verliert seinen Anspruch auf einen Bonus. Wir sehen von individuellen Boni ab, denn was wirklich zählt, ist der Gesamterfolg des Unternehmens.

 

Wie entscheidest du über Lohnerhöhungen für die Mitarbeitenden?

Der betriebswirtschaftliche Geschäftserfolg, die Kalkulation und die Gewinnverwendung werden den Mitarbeitenden jährlich transparent kommuniziert und zusammen diskutiert. Ziel ist, dem gesamten Team eine unternehmerische Haltung zu ermöglichen, welche in den Einzelgesprächen als Grundlage für allfällige Lohnerhöhungen dient. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass neue Mitarbeiter in der Regel keinen finanziellen Überblick über eine Unternehmung haben. Ist auch hier Transparenz geschaffen, sieht sich der Mitarbeiter im Kontext zur Gesamtunternehmung und nicht nur im Vergleich zu den Löhnen anderer. Das ist wichtig, denn nur ein Unternehmen, das gut wirtschaftet, kann sich im Umkehrschluss auch Mitarbeitende und faire Löhne leisten. Die Gewinnverteilung nach bestimmten Risikokriterien geniesst eine hohe Akzeptanz im Unternehmen und wird von allen im Rahmen der finanziellen Beteiligung am Unternehmen mitgetragen.

 

Wie seid ihr organisiert?

Im Team von HZDS arbeiten Menschen, die gut darin sind, die relevanten Fragen zu stellen und konzeptionell zu denken. Verfechter funktionaler Ästhetik, nachhaltiger Lösungen, repräsentativer Bauten. Liebhaber:innen konstruktiver Details und komplexer Bau-Aufgaben, die zeichnen, planen, koordinieren, führen, den Überblick behalten und ihre Arbeit gut machen, weil sie viel davon verstehen und Freude daran haben. Wir arbeiten alle auf dasselbe Ziel hin: Die bestmögliche Lösung für die Kunden zu finden und nützliche, nachhaltige undschöne Arbeitswelten für Menschen zu schaffen.

Bei den HZDS Architekten arbeiten die Mitarbeitenden in einer flachen Organisation und werden mit Herz geführt. In den Kundenbeziehungen hat es sich bewährt, dass die Projekte klassisch hierarchisch aufgestellt und geführt werden. So stellen wir sicher, dass in Projekten, welche unter grossem, direktem Einfluss des Kunden abgewickelt werden, die Verantwortung auf allen Ebenen stets klar ist.

Selbstverständlich kommt auch das gemeinsame Erleben nicht zu kurz: wichtige Etappen feiern wir zusammen als Team. Gemeinsame Mittagessen und Grillabende stehen ebenso im Firmenkalender wie der jährliche Teamevent, zu dem natürlich auch Partnerinnen und Partner sowie Kinder eingeladen sind.

 

 

Danke vielmals für diese inspirierende Gespräch!

 

Portrait

David Sigrist (LinkedIn)

ist Geschäftsführer, Architekt/Bauleiter und Ausbildner der HZDS AG- Architektur für die Arbeitswelt.

HZDS plant und realisiert flexible, wandelbare Bauten für KMU. HZDS ist Architektur für die Arbeitswelt. Als Architekten und Generalplaner verbinden wir kontinuierliche Innovation in der Konzeption und Planung mit Kompetenz, Präzision und Erfahrung in der Ausführung. Das Ergebnis sind Bauten die nachhaltig, funktional und ästhetisch sind. Zu unseren Kunden zählen Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungsunternehmen; wir sprechen deren Sprache. Betrieb und Bau vermitteln wir zu einer wirtschaftlichen Lösung. Unsere Werke zeichnen sich durch hohe Nutzungsqualität und Flexibilität aus. Kunden erhalten eine Lösung für ihre Raumbedürfnisse, welche die Arbeitsorganisation und die Kultur des Unternehmens optimal unterstützt. Nachhaltiges Bauen ist für HZDS selbstverständlich. Konkret bedeutet dies zu bauen, was zwingend ist, aber so zu planen, dass Künftiges möglich bleibt. Wir denken und planen von innen nach aussen. Von den Prozessen und Abläufen über Arbeitsplätze und Räume zu den Gebäuden, zum Areal – immer mit dem Ziel, flexible Lösungen für eine zukunftsgerechte Arbeitswelt zu gestalten.